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Baldessa 1b

produziert 1958



Technische Daten:
- Mess-Sucher Kamera für 135er Kleinbildfilm
- Leuchtrahmesucher mit gekoppeltem Entfernungsmesser
- ISCO-Göttingen Color-Westanar 45mm f/2.8 - f/16
- Prontor-SVS Verschluss
- Belichtungszeiten: Bulb, 1", 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/300 Sek.
- ungekoppelter Selenbelichtungsmesser
- Blitzkontakt
- Selbstauslöser (V), Blitzsynchronisation X und M
- Gewinde für Drahtauslöser
- Zubehörschuh



Balda war ein deutscher Kamerahersteller, der in der Vorkriegszeit in Dresden Mittelformat- und Kleinbild-Faltkameras sowie Boxkameras produzierte. In der Nachkriegszeit wurde die Produktion nach Bünde in Westfalen verlegt, wo man anfangs noch Faltkameras baute, aber dann bis in die 80er vorrangig Kompaktkameras herstellte. Die Baldessa gehört zu jenen ersten Kleinbildkameras mit festem Gehäuse, die die Faltkameras ablösten. Mit einem gekoppelten Entfernungsmesser und intergriertem ungekoppelten Belichtungsmesser war sie schon besser ausgestattet, als viele Kameras dieser Zeit. Das Design entspringt dem Zeitgeist der 50er Jahre, leicht abgerundete Formen heben die Kamera von den kantigen, eher konservativ daherkommenden Modellen anderer namenhafter deutscher Hersteller angenehm ab. Wenn ich die Balda betrachte, erweckt sie in mir Bilder davon, wie mit ihr in den 50ern in Italien Urlaubsfotos gemacht wurden.

Eine "no name" Kamera auf ebay

Diese kleine Baldessa 1b wurde auf ebay nur als "alte Kamera mit Tasche" angeboten. Auf dem etwas verwackelten kleinen 400x300 Pixel Bild war die Kamera gerade so erkennbar. Sie wurde auf weißem Kachelfußboden abgelichtet. Das genügte mir um meine Recherche im Internet zu starten. Schon nach kurzer Zeit stieß ich auf Kameras der 50er Jahre, die dieser sehr ähnlich waren. Es schien sich auf jeden Fall um eine Baldessa zu handeln und anhand der erkennbaren Fenster auf dem Foto schien sie auf jeden Fall einen gekoppelten Entfernungsmesser zu haben ... also bot ich etwas. Für 5 Euro ersteigerte ich dann am 22.10.2008 diese Baldessa 1b mit Tasche. Wie erwartet war sie nicht funktionsfähig. Der Prontor SVS Verschluss sagte leider gar nichts mehr, die Linsen waren innerlich leicht verschmiert. Aber der Gesamtzustand war sonst eigentlich überraschend gut und die Kamera wies nur die üblichen Verschmutzungen einer langen Lagerung mit sehr leichten Gebrauchsspuren auf.

Schlicht, elegant und ergonomisch - die Baldessa 1b von oben


Die Tasche ist teils aus Plastik, hier war die Vorderkappe gebrochen. Ich konnte dies von innen mit Gewebeklebeband so stabilisieren, daß die Tasche zumindest wieder benutzbar ist. Den Verschluss habe ich mit reichlich Feuerzeugbenzin wieder gangbar bekommen. Die langen Zeiten scheinen zu stimmen und auch der Selbstauslöser schnurrt nun wieder tadellos ab. Auch die Linsenelemente konnte ich von beiden Seiten demontieren und reinigen. Dabei zeigte sich bei Durchsicht gegen Licht, daß die Frontlinse doch einige ältere Putzspuren aufweist, was aber kaum Einfluss auf die Abbildung haben dürfte. Die obere Abdeckung lässt sich leicht abnehmen, es müssen nur die seitlichen Gurtösen abgeschraubt werden. So lässt sich auch der Sucher reinigen. Der Selen-Belichtungsmesser funktioniert überraschenderweise noch einwandfrei! Er reagiert zu meiner Überraschung von allen meinen Selenbelichtungsmessern mit Abstand am genauesten.

Der Entfernungsmesser war dejustiert, lässt sich aber leicht justieren. Hierzu ist an der Rückseite neben dem Suchereinblick eine Schraube, die gelöst werden muss. Vorsicht, diese Schraube sitzt sehr fest, man sollte sie nur mit einem geeigneten Schraubendreher öffnen. Dahinter verbirgt sich die Justierschraube für den Entfernungsmesser. Ich habe den Abgleich auf Unendlich vorgenommen und dabei festgestellt, daß die Kamera am Anschlag nicht mehr auf Unendlich fokussiert. Die Ursache dafür konnte ich nicht herausfinden, so daß ich die Kamera für den Nahbereich bis 10m eingerichtet habe.

Fotografieren mit der Baldessa 1b

Die Baldessa ist anders, das merkt man schon beim Filmeinlegen. Der Rückdeckel wird geöffnet, indem man 2 Knöpfe von hinten gesehen an der rechten Seite am Rückdeckel drückt. Er wird ganz abgenommen. Die Filmpatrone wird nun auch von hinten gesehen rechts eingelegt und nach links auf der Aufnehmerspule aufgewickelt, genau anders herum als bei den meisten Kameras. Der Filmtransport erfolgt über einen abklappbaren Schnallspannhebel am Boden, der gedreht wird. Mit nur einer halben Umdrehung wird der Film transportiert und der Verschluss gespannt. Das erscheint auf den ersten Blick recht praktisch, jedoch muss man für den Filmtransport immer die rechte Hand von der Kamera nehmen, was man bei den herkömmlichen Schnellspannhebeln auf der Kameraoberseite nicht machen muss.

Unter dem Schnellspannhebel ist der Filmzähler, den man selbst auf "A" wie Anfang zurückstellen muss. Der Filmzähler zählt rückwärts, er beginnt also bei 36 und zeigt immer die noch verbleibenden Aufnahmen an. Um das Stativgewinde herum befindet sich noch ein kleiner Filmmerker. Um den Bildzähler und den Filmmerker abzulesen muss man aber gute Augen haben, die Zahlen sind sehr klein. Bevor man fotografiert, sollte man noch darauf achten, daß der kleine Hebel vor dem Stativgewinde auf "T" wie Transport steht und die Rückspulkurbel eingerastet ist. In der Mitte der Rückspulkurbel ist ein roter Strich zu sehen, der sich bei korrekt eingelegtem Film bei jedem Transport mitdreht. Dies dient zur Kontrolle, ob der Film richtig eingelegt ist.

Baldessa 1b von unten
links der abklappbare Schnellspanndreher, rechts die abklappbare Rückspulkurbel
in der Mitte das Stativgewinde mit Filmmerker, darunter der Rückspulfreistellhebel


Sollte der Belichtungsmesser noch plausible Werte anzeigen, was bei den meisten Selenbelichtungsmessern selten der Fall ist, so stellt man dort zuerst die ASA Zahl des Films mit der kleinen inneren Scheibe ein. Dann richtet man die Kamera auf das Motiv und dreht nun den äußeren Ring des Belichtungsmessers bis der rote Zeiger mit der weißen Nadel in der Anzeige übereinstimmt. Nun liest man bei den roten Zahlen den Wert ab. Die Einstellung der Belichtungszeit und Blende am Objektiv sind gekoppelt. Den kleinen schwarzen Plastikhebel neben der Blendenzahl "2.8" kann man herunterdrücken und somit die Einstellung entoppeln. Nun kann man die Belichtungszeit unabhängig von der Blende verstellen, womit man nun auch den am Belichtungsmesser abgelesenen Wert einstellen kann. Auf dem Blendenring findet man dieselben roten Zahlen wie im Belichtungsmesser. Auf dem Zeitenring ist ein kleiner roter Pfeil, den man entkoppelt auf den entsprechenden Wert einstellt. Dann sind Blende und Belichtgungszeit so zueinander eingestellt, daß man gekoppelt immer die richtige Blenden-Belichtungskombination hat.

Baldessa 1b von hinten, die Filmpatrone wird rechts eingelegt, genoppte Filmandruckplatte


An dem kleinen Rad unter den Selenzellen stellt man die Entfernung ein, dies funktioniert wie bei allen Mischbildentfernungsmessern. Der Suchereinblick ist schön klar und kontrastreich und hat einen hellen Leuchtrahmen eingeblendet. Es macht Spass damit zu fotografieren. Der Auslöser ist ein geriffelter Hebel. Er befindet sich unter der Entfernungseinstellung und wird einfach heruntergedrück. Unten an dem Hebel ist das Gewinde für einen Drahtauslöser.

Zum Zurückspulen des Films muss der Hebel an der Unterseite vorm Stativgewinde wieder von T auf R gestellt werden, dann klappt automatisch die kleine Rückspulkurbel auf. Es bleibt nur noch zu erwähnen, daß die grünen Zahlen auf dem Objektivring die verfügbaren Blitzsynchronisationszeiten angeben. Man kann mit einem kleinen Hebel beim Auslöser (am Objektivrand unter den roten Zahlen) die Blitzsynchronisation M und X, sowie den Selbstauslöser mit "V" einstellen.







tinc