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Voigtländer Bessamatic

produziert 1958-1963

Bessamatic mit Septon 50mm f/2.0



Technische Daten:
- SLR Kamera für 135er Kleinbildfilm
- Synchro Compur Verschluss
- Belichtungszeiten: Bulb, 1", 1/2, 1/4, 1/8, 1/15, 1/30 bis 1/500 Sek.
- integriertes Bildzählwerk
- Selenbelichtungsmesser mit Anzeige im Sucher
- Selbstauslöser 10 Sekunden, Blitzsynchronisation X und M
Weitere Modelle:
Bessamatic m, Bessamatic de lux



In den 50er Jahren war Voigtländer noch eine der führenden internationalen Kameramarken. Mit der Bessamatic bot Voigtländer Ende der 50er eine Spiegelreflexkamera der gehobenen Klasse mit eigenen Systemobjektiven an. In Verarbeitung und Technik sind die Bessamatic ein Meisterstück deutschen Feinhandwerks aus den 50ern. Doch die Konstruktion war extrem aufwendig, denn man hielt noch an der Technik mit Zentralverschluss fest. Dies erwies sich sich bald als Problem: echte Weitwinkelobjektive mit 28mm Brennweite und sehr lichtstarke Objektive ließen sich bauartbedingt für die Serie nicht verwirklichen und die Verschlusszeit war auf eine 1/500 begrenzt. Bei den Bessamatic war der Zentralverschluss dazu noch recht klein geraten, was diese Einschränkung noch verschärfte. Damit hing man dann schon Mitte der 60er der Konkurrenz aus Fernost erbarmungslos hinterher. Immerhin produzierte Voigtländer für die Bessamatic mit dem "Zoomar" das weltweit erste Zoomobjektiv.

Um die technischen Anforderungen der Bessamatic zu verdeutlichen, betrachten wir, wie kompliziert die Auslösung gegenüber einer SLR-Kamera mit Tuchschlitzverschluss abläuft. Die Schwierigkeit bei einer SLR mit Zentralverschluss liegt darin, daß sich der Verschluss vor dem Spiegel befindet. Man spannt den Auslöser, dann öffnet sich der Verschluss, damit man durch den Sucher schauen kann. Der Spiegel klappt herunter, und da der Verschluss ja für den Suchereinblick offen sein muss, klappt hinten noch zusätzlich eine Klappe vor die Filmebene gegen Lichteinfall. Gleichzeitig spannt sich natürlich der Mechanismus für die Springblende.
Löst man nun aus, müssen folgende Vorgänge ablaufen:

1. Die Blende springt auf die Arbeitsblende
2. der Verschluss schließt sich
3. der Spiegel klappt hoch
4. die Klappe vor der Filmebe klappt hoch
5. der Verschluss löst aus


Der ganze Ablauf dauert nur eine 1/50 Sekunde! Trotz technisch anspruchsvoller Umsetzung von Voigtländer ist das ganze Grundkonzept natürlich auch wesentlich störungsanfälliger als bei SLR-Kameras mit Tuchschlitzverschluss. Bereits Mitte der 60er gab es auch in Deutschland keinen Markt mehr für SLR's mit Zentralverschluss. Trotzdem legte Voigtländer mit der Ultramatic noch einen Nachfolger der Bessamatic auf, der natürlich keinerlei bedeutende Marktanteile mehr erlangen konnte. Damit begann auch das Ende der Ära von Voigtländer.

Der Nachlass aus dem Keller

Aus dem Nachlass des Großvaters meiner Lebensgefährtin entdeckten wir im Mai 2008 drei Kameras im Keller. Eine ist diese Voigtländer Bessamatic. Der Belichtungsmesser ist wie viele alte Selenbelichtungsmesser nicht mehr brauchbar. Die Kamera war auch nicht ganz lichtdicht. Die Klappe, die sich vor den Film legt, wenn der Spiegel hochgezogen wird war verzogen und führte zu unerwünschtem Lichteinfall. Indem ich den Rand an den undichten Stellen mit dünnen Schaumstoffstreifen abklebte, konnte ich das Problem beheben. Die Kamera funktionierte sonst einwandfrei, doch im Urlaub löste der Verschluss nach dem Drücken des Auslösers erst mit erheblicher Verzögerung aus. Bei einigen Aufnahmen hatte ich die Kamera schon zur Seite genommen, als sie auslöste. Eine leichte mehrfache Behandlung des Verschlusses mit einigen Tropfen Feuerzeugbenzin förderte reichlich Dreck zutage, seitdem löst sie erstmal wieder normal aus. Jedoch musste ich den Verschluss später nochmals mit Feuerzeugbenzin reinigen, da sich nochmals Probleme ergaben. Erst mehrere aufwendige Reinigungsprozeduren brachten die Kamera zum einwandfreien Funktionieren. Dazu muss ich anmerken, daß ich mich scheute, die Bessamatic auseinander zu bauen, um den Verschluss vernünftig zu reinigen, und daher versuchte mit einfachen weniger effektiven Reinigungsmethoden das Problem in den Griff zu bekommen.

Die Kamera hatte ein Color-Skopar X 50/2.8 Objektiv mit verölter Blende, es ist nicht mehr zu gerbrauchen. Ein weiteres Color-Skopar X bekam ich bei ebay für 5 Euro. Bei ebay erhielt ich noch ein günstiges Septon 50/2.0 mit Linsenseparation, die sich nur in wenigen Situationen bemerkbar macht. Ebenso konnte ich günstig ein Dynarex 135/4.0 und ein Skoparex 35/3.5 erwerben.

Bessamatic mit Dynarex 135mm f/4.0



Das Fotografieren mit der Bessamatic ist schon außergewöhnlich. Das Design und die solide Konstruktion liegen sehr gut in der Hand, doch das große Gewicht von gut 800g macht sich schnell bemerkbar. Gewöhnungsbedürftig ist die Einstellung der Blende über einen Drehknopf oben auf der Kamera unter dem Rückspulknopf und die Zeiten/Blendenkoppelung am Zeiteneinstellring. Die Bessamatic hat einen einfachen Rückkehrspiegel, also kein Rückschwingspiegel, und gibt daher das Sucherbild erst nach Spannen des Verschlusses frei. Nach dem Auslösen bleibt der Spiegel hochgeklappt.

Wenn der Belichtungsmesser noch funktioniert, stellt man rechts im Sucher einen Hebel mit Kreis deckungsgleich mit der Anzeigenadel des Belichtungsmessers ein. Dazu dreht man am Drehknopf unter dem Rückspulknopf. Dabei verstellt sich die Blende allein. Auf diesem Drehknopf ist ein kleiner Knopf, den man etwas nach außen ziehen kann um mit dem dann nur drehbaren Außenring die ASA Zahl einzustellen. Blende und Belichtungszeit sind gekoppelt, das kennt man schon von anderen Kameras. Doch laufen bei der Bessamatic die Werte zueinander entgegengesetzt. Wenn man mit einem externen Belichtungsmesser arbeitet und sich die gewünschte Belichtungszeit-Blendenkombination nicht einstellen lässt, muss man mit dem Drehknopf oben zunächst die Blende verstellen, um die gekoppelten Werte in einen Bereich zu bringen, in dem dann die gewünschte Kombination einstellbar ist.

Die Bessamatic hat einen einfachen Rückkehrspiegel und gibt daher das Sucherbild erst nach Spannen des Verschlusses frei. Nach dem Auslösen bleibt der Spiegel hochgeklappt.

Objektive in meiner Sammlung:
- Color Skopar X 50mm f/2.8
- Septon 50mm f/2.0 (starke Linsenseparation, nur minimalen Auswirkungen auf Bildqualität)
- Dynarex 135mm f/4.0
- Skoparex 35mm f/3.5

Fotos von und mit meiner Bessamatic aus meinem flickr Fotostream



Informative Links:
Taunusreiter - Voigtländer Objektive





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