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Kiev 60

In Produktion seit 1984

Kiev 60 mit TTL Prisma


Technische Daten:
- SLR Kamera für 120er Rollfilm 6x6
- Pentacon Six Bajonett für Wechselobjektive
- Standard Objektiv Volna oder heute Arsat 80mm f/2.8 -f/22
- seitlich ablaufender Tuchschlitzverschluss
- Belichtungszeiten: Bulb,, 1/2, 1/4, 1/8, 1/13, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000 Sek.
- Filmtransport mit Schnellspannhebel
- Bildzählwerk neben Schnellspannhebel
- Gewinde für Drahtauslöser
- Blitzkontakt
- wahlweise wechselbarer Lichtschachtsucher oder TTL Prisma



Die Kiev ist eine SLR für 120er Rollfilm im Format 6x6. Dadurch fallen die Abmessungen schon entsprechend aus. Wenn man zum ersten Mal eine Kiev 60 sieht, erschrickt man zunächst etwas, denn sie ist doch etwa doppelt so groß wie eine Kleinbild SLR. Eine Mittelformatkamera mit Wechselobjektivsystem ist eben schon ein Klotz, jedoch hat die Mittelformatfotografie ihren ganz eigenen Reiz. Eine Kiev 60 ist eher was für begeisterte Enthusiasten. Mich hat das Fotografieren im 6x6 Format mit TLR's so begeistert, daß ich um eine Mittelformat SLR nicht umhin kam, und ich wurde nicht enttäuscht.

Die Kiev 60 ist eine Weiterentwicklung der Kiev 6 und Kiev 6C, die der deutschen Pentacon Six entlehnt waren. Die Kiev 60 wird seit 1984 in der Ukraine von Arsenal in Kiev produziert. Alle ähnlichen Kameras, die unter anderen Namen vertrieben werden, sind es aufgebesserte Varianten der originalen Kiev 60. Meist sind eine Spiegelvorauslösung oder andere mechanische Verbesserungen eingerichtet worden.
Die Kamera ist sowjetisch "einfach" konstruiert. Der Spiegelschlag klingt so, als würde die Kamera gleich auseinanderfallen. Mit einem dumpfen "KAFLOCK" klappt der Spiegel deutlich hörbar für alle Umstehenden beim Auslösen um, manch einer erschreckt sich sogar. Doch dafür wird man mit atemberaubenden Bildern belohnt.

Endlich eine Mittelformat SLR

Nachdem ich nun schon einige Erfahrung mit der Mittelformatfotografie an TLR's hatte, und von den Ergebnissen sehr beeindruckt war, reizte mich eine Mittelformat SLR mit Wechselobjektivsystem. Die bekannte Pentacon Six oder eine Exakta 66 schienen mir als Einstieg vorerst zu teuer. Eine deutlich günstigere Kiev 60 kam für mich eher in Frage, auch wenn man hier wohl öfter diverse technische Problemen haben kann. Am 11.05.2009 kaufte ich bei Ebay die hier abgebildete Kiev 60 mit einem Arsat 80mm f/2.8 Standardobjektiv. Wie so oft bei Ebay-Käufen waren einige Mängel nicht angegeben. Das Arsat hatte an der hinteren Vergütung Abrieb, erfreulicherweise aber keinen Kratzer und ohne Auswirkung auf die Bildqualität. Der Film überlappte, was sich glücklicherweise anhand einiger guter Anleitungen im Internet so gut einstellen ließ, daß ich mit meiner Kiev jetzt ohne Überlappungen 13 Aufnahmen einer 120er Rolle entlocken kann.

Ansonsten ist das Gehäuse in einem guten Zustand und es ist eine neuere sehr helle Mattscheibe eingebaut. Der Lichtschachtsucher wies einige Beulen auf. Der Prismensucher war auch eingebeult und musste erst auseinandergebaut und die Beule ausgedengelt werden. Die Halterungen des Glas-Prismas waren gebrochen, und damit es ordentlich ins Gehäuse eingepasst werden konnte, mussten die gebrochene Halterungen durch Schaumstoff ersetzt werden. Das Einstellrad für den Belichtungsmesser war falsch montiert und zeigte eine Unterbelichtung von einer Blende an. Nach richtiger Montage des Einstellrades funktioniert der Belichtungsmesser im Prisma nun überraschend genau.

Wichtiger Hinweis:
Bei meiner Kiev 60 hing die halbe Sekunde. Dies konnte ich nicht beheben und der Fehler blieb mehrere Monate bestehen. Normalerweise lagere ich meine Kameras mit ungespanntem Verschluss. Als ich jedoch die Kamera versehentlich ein paar Wochen mit gespanntem Verschluss liegen gelassen hatte, ging diese Belichtungszeit mit einem Mal wieder einwandfrei.
Falls sie Probleme mit ihrem Verschluss haben, kann es vieleicht helfen, die Kamera mit gespanntem Verschluss zu lagern.


Fotografieren mit der Kiev 60

Die Kiev 60 hat keinen Rückschwingspiegel, das heißt, man kann nur durch den Sucher schauen, wenn der Verschluss gespannt ist. Als Sucher kann man einen leichten Lichtschachtsucher mit Lupe zum besseren Fokussieren verwenden. Die Perspektive und das Fotografieren sind dann wie bei einer TLR. Man kann den Lichtschachtsucher aber auch durch ein TTL Prisma ersetzen, was jedoch mit 450g ziemlich schwer ist. Die Belichtungsmessung des TTL Prismas ist nicht gekoppelt und wenn es gut justiert ist recht genau.

Das Filmeinlegen geht recht problemlos. Problematischer ist beim 120er Rollfilm der Filmtransport. Beim Kleinbildfilm hat man eine seitliche Perforation, wodurch der Film sicher und immer gleichmäßig transportiert werden kann, egal wie er sich auf der Nehmerspule aufwickelt. Beim 120er Rollfilm fehlt diese Perforation, und somit muss beim Aufwickeln zur Bestimmung der richtigen Filmabstände die durch den aufrollenden Film immer dicker werdende Nehmerspule berücksichtigt werden. Eine volle Spule befördert mit einer Umdrehung mehr Film als eine fast leere. Bei der Kiev 60 sorgt ein Mechanismus dafür, daß der Transport pro Umdrehung daran angeglichen wird. Leider kann sich der Mechanismus mit der Zeit verstellen, und es kommt zu Bildüberlappungen. Es empfiehlt sich daher die Mechanik zu schonen und den Filmtransporthebel nach dem Spannen sanft zurückzuführen und nicht zurückschnappen zu lassen. Außerdem sollte der Transport in einer Drehung ohne Unterbrechung und gleichmäßig erfolgen.


Kiev 60 mit aufgeplapptem Lichtschachtsucher



Neben dem Standardobjektiv Arsat 80mm f/2,8 gibt es eine Vielzahl von Objektiven. In der Regel können alle Objektive mit einem Pentacon Six Bajonett verwendet werden. Bei meiner Kiev 60 passt aber ein 50mm Flektogon nicht! Es ragt zu weit in den Spiegelkasten hinein, lässt sich nur mit entferntem Führungsstift aufsetzen und blockiert dann aber den Spiegel. Bei einer anderen Kiev eines Bekannten passt das Flektogon gerade so. Aber es gibt auch sehr schöne Objektive aus sowjetischer bzw. nach 1990 aus ukrainischer Produktion, bei denen aber eine Serienstreuung nicht auszuschließen ist.
Ich habe folgende Linsen in Gebrauch:
- Mir-26B mit Kiev88 Bajonett und Adapter, 45mm f/3.5
- Mir-3 mit Salyut Bajonett und Adapter, 65mm f/3.5
- Mir-38B , 65mm f/3.5
- Arsat C 80mm f/2.8
- Carl Zeiss Jena Sonnar 180mm f/2.8

Am meisten fotografiere ich mit dem Arsat und dem Mir-26B. Das Arsat ist überraschend scharf, auch bei Offenblende. Das Mir-26B als Weitwinkel ist an Mittelformat einfach grandios, weil man hier durch das quadratische Format den Weitwinkeleffekt auch in der Vertikalen hat. Das Mir-38B habe ich deshalb weniger im Gebrauch, ich hatte es für 8€ günstig auf dem Flohmarkt in Tiflis bekommen. Das Mir-3 mit Salyut Bajonett war ebenfalls ein Schnäppchen aus Tiflis, ich hatte es nur einmal ausprobiert. Zu dem legendären Sonnar muss ich nicht viel sagen, eine atemberaubende Linse. Ich fotografiere sehr gerne damit, aber mit 1350g Gewicht ist es einfach kein Alltagsobjektiv.


Aufnahmen von und mit meiner Kiev 60 aus meinem flickr Fotostream



Informative Links:
kievaholic
kievaholic Kiev 60 Justierungen





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