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Zorki 3M

produziert 1954-1956

Zorki 3M #5517764 mit Jupiter-8 Objektiv #5519060



Technische Daten:
- Messsucherkamera für 135er Kleinbildfilm mit Dioptrinausgleich
- horizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss
- Belichtungszeiten: Bulb, 1", 1/2, 1/5, 1/10, 1/25, 1/50, 1/100, 1/250, 1/500, 1/1000 Sek.
- gekoppelter Mischbild-Entfernungsmesser
- Bildzählwerk am Transportknopf, manuelle Rückstellung
- M39 Objektivgewindeanschluss (LTM)
- 3/8" Stativgewinde
- Zubehörschuh
- Gewicht: 545g (nur Gehäuse mit Spule)
Besonderheiten:
langsame und schnelle Zeiten auf einem Rad, großes helles Sucherfenster, kein Selbstauslöser und kein Blitzanschluss, abnehmbare Rückseite

Zorki ist die englische schreibweise vom russischen "Зоркий" und bedeutet "scharfsichtig".
Es wird "sorki" mit weichem "s" ausgesprochen.



Vieleicht die schönste Messsucherkamera, die je gebaut wurde. Die Zorki 3 und 3M sind keine Leica Kopien mehr, wie noch die Zorki 1 Modelle, sondern die ersten eigenständigen Weiterentwicklungen der sowjetischen Konstrukteure. Als konsequente Weiterentwicklung der Zorki 1 hatten die Zorki 3 Modelle noch den stilvollen Sucherkasten des Vorgängers leicht abgeändert beibehalten. Doch dazu gab es nun ein einziges schönes großes Sucherfenster, in dem auch der Entfernungsmesser eingespiegelt war. Eine wesentliche Neuerung ist auch die abnehmbare Kamerarückwand, wodurch das Filmeinlegen deutlich einfacher geht, als bei den vorangegangenen Bodenladern. Bei Leica gab es übrigens dieses für den Fotografen nicht unwesentliche Konstruktionsmerkmal erst ab 1973. Die Zorki 3M hatte immer noch keinen Blitzkontakt und keinen Selbstauslöser. Dies wurde erst bei der Zorki 4 verwirklicht. Während man bei Leica mit der M Serie ein neues Bajonett einführte, blieben die sowjetischen Konstrukteure beim Bau von Fed und Zorki Messsucherkameras bis zum Niedergang der UdSSR dem M39 Gewinde treu.

Gravur auf der Zorki 3M

Die Zorki 3M ist nochmals eine Verbesserung der Zorki 3, die wegen der getrennten Zeitenräder zur Einstellung von schnellen und langsamen Zeiten sehr anfällig war. Bei der 3M sind alle Zeiten auf einem Rad oben auf dem Gehäuse einstellbar. Das "M" im Namen soll für den Entwickler Nikolay Mikhaylovich Marenkov stehen. Eine andere These besagt, daß das M lediglich Modern bedeuten solle, im Sinne einer neueren Weiterentwicklung.
Die Zorki 3M ist bei nur ca. 40000 gebauten Kameras eher selten, jedoch keine Rarität. Es gibt kaum Modifikationen, daher ist sie nur als Einzelstück für Sammler interessant. Jedoch ist sie eine sehr gute Gebrauchskamera mit einem tollen Design, mit der man auch heute noch wunderbar fotografieren kann. Die Preise liegen zwischen 60 und 120€

Eine weite Reise und ein unerwartetes Problem

Im September 2009 erwarb ich diese gut erhaltene Zorki 3M mit einer ebenfalls gut erhaltenen Ledertasche für etwa 18 € auf dem Flohmarkt in Tbilisi in Georgien. Sie funktionierte einwandfrei, aber leider nur bis zum dritten Film, dann riss altersbedingt eines der Spannbänder des Verschlusses. Gut ein Jahr lag sie in der Vitrine, bis ich mich entschloss sie zu Oleg Khalyavin in Russland zur Reparatur zu schicken. Oleg hat sehr gute Reputationen und die schöne Zorki 3M war es mir wirklich Wert. Am teuersten sind die Versandkosten. 30€ kostet der versicherte Versand von Deutschland nach Russland, nur die Hälfte, also 15€ (22USD) der Versand zurück. Oleg nimmt umgerechnet nur 40€ (52USD) für die einfache Reparatur, was wirklich sehr günstig ist. Überraschenderweise verlangte der Zoll 10€ Einfuhrumsatzsteuer auf den gesamten Transaktionsbetrag von 74 USD bei Wiedereinfuhr. In der Summe hat mich das also 95€ gekostet. Versand, Reparatur und Rückversand haben etwa 3 Monate gedauert. Oleg hatte sehr gute Arbeit geleistet. Filmtransport, Auslösung und das Zurückspulen laufen absolut weich und leise. Die Aufnahmen des ersten Films zeigten aber rechts eine etwas ungleichmäßige Belichtung, was bei Zorkis trotz ordnungsgemäßer Spannung der Verschlusstücher öfter vorkommt. In der Regel muss man dann die Spannung des ersten Verschlusstuches erhöhen und des zweiten etwas verringern. Ich korrigierte so die Spannung der Verschlusstücher und es wurde etwas besser. Insgesamt hat sich das alles sehr gelohnt. Dafür musste die Zorki eine weite Reise machen ... von Tbilisi nach Hannover, von dort 800km hinter Moskau und zurück.

Doch nach dem 3. Film klemmte der Verschlussvorhang plötzlich. Bevor ich sie bei Oleg reklamieren wollte, wollte ich probieren, ob eine noch stärkere Spannung des Verschlusses das Problem behebt. Schon beim Lösen der Spannschraube am Boden der Kamera rutschte das Verschlusstuch plötzlich weiter. Irgendwie hatte sich die Spannrolle wohl verkantet. Ich stellte die Spannung neu ein und seitdem läuft sie einwandfrei. Auch die Belichtung ist nun gleichmäßig. Der Fehler muss nicht an Olegs Reparatur gelegen haben. Es ist auch möglich, daß sich die Spannrolle durch meine Korrektuer der Verschlussspannung vorher falsch gelagert hat. Vieleicht ist es auch einfach nur eine der vielen möglichen kleinen Defekte, die durch die manchmal ungenügende Produktionsqualität auftreten können.
Egal.. nun habe ich eine wirklich wunderbar funktionierende und wunderschöne Zorki 3M.

Zorki 3M mit ihrem Standardobjektiv Jupiter-8 50mm f/2.0


Fotografieren mit der Zorki 3M

Die Entwicklung der Zorki 3M brachte für den Fotografen folgende wichtigen Verbesserungen: Die Kamera öffnet man mit 2 drehbaren abklappbaren Hebeln am Boden der Kamera. Die Rückwand wird ganz abgenommen. Das Filmeinlegen geht gut von der Hand. Wie bei vielen sowjetischen Kameras stellt man das Zeitenrad erst nach Spannen des Verschlusses ein. Das Zeitenrad muss zum Verstellen leicht angehoben werden. Mit dem Filmtransport wird auch gleich der Verschluss gespannt. Der Transportknopf ist mit dem Bildzähler gekoppelt. Den Filmzähler muss man manuell auf Null setzen. Die Belichtungszeit bestimmt man mit einem externen Messer. Man sollte nicht vergessen den Objektivdeckel abzunehmen und neben der Verschlusszeit auch die Blende einzustellen. Beim Blick durch den schönen klaren Sucher kann man das Mischbild in der Mitte sehr gut erkennen. Das Fokussieren geht ziemlich genau. Die Rückspulsperre löst man mit dem kleinen Hebel vor dem Auslöser. Er muss auf "B" gestellt werden. Der Rückspulknopf lässt sich etwas ausziehen und das Rückspulen geht recht gut.
Durch das Design und den schönen Sucher ist es eine wahre Wonne mit der 3M zu fotografieren. Eine gut gewartete Kamera löst angenehm aus und läuft wie Butter. Sie ist etwas größer als ihre Vorgänger der Zorki 1 Reihe und auch etwas schwerer. Mit 545g liegt sie aber gut und sicher in der Hand.
Das Standardobjektiv Jupiter-8 hat eine überraschend gute Abbildungsleistung. Es bietet auch bei Offenblende eine akzeptable Schärfeleistung und hat dabei ein angenehmes Bokeh. Mit f/2.0 ist es recht lichtstark. Das Jupiter-8 hat ein 40,5mm Filtergewinde. Natürlich kann man an der Zorki 3M jedes beliebige M39 Objektiv verwenden. Für andere Brennweiten als 50mm braucht man aber einen entsprechenden Aufstecksucher für den jeweiligen Bildausschnitt. Ich nutze auch gerne mein Jupiter-3 50mm f/1.5 an meiner Zorki 3M.

Filmtransportrad mit Bildzähler, Auslöser, Rückspulsperrenlösehebel und Zeitenrad auf der Zorki 3M



Informative Links:
Zorki 3M bei Guido Struder
detailierte Informationen zur Zorki 3 bei Guido Struder
sovietcams.com
cconin


Aufnahmen von und mit meiner Zorki 3M aus meinem flickr Fotostream







tinc tinc